Weltklima-Report 2019 – die Fakten zum Klimawandel

Drohende Hitze, schmelzende Gletscher, Wetterextreme – trotz genügend Warnzeichen bläst die Menschheit immer mehr Treibhausgase in die Luft.

Der am 08. August veröffentlichte Weltklima-Report warnt vor der Erderwärmung und den damit einhergehenden Konsequenzen für die Ernährungssicherheit der Menschen. Im Fokus stehen globale Landnutzung, menschliche Ernährung und die Reduktion der Treibhausgasemissionen. Der Klimareport 2019 sieht besondere Handlungsnotwendigkeit beim Thema Fleischreduktion und gibt diesbezüglich politische Empfehlungen. Auch von Seiten des WWF wird ein konkreter Aktionsplan für die Emissionsreduktion im Ernährungsbereich gefordert. Inger Andersen, Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), meint dazu:

„Wir müssen die Nutzung unserer Landflächen an den Klimawandel anpassen, damit wird die Nahrungsmittelproduktion für die heutige und für zukünftige Generationen sicherstellen können.“

Klimawandel

Schlicht den Klimawandel nur von einer Seite zu betrachten, reicht nicht. Es gibt viele Themen und Möglichkeiten, dem Wandel des Klimas entgegenzuwirken. Doch um den Fokus des Klimareports 2019 aufzugreifen, anbei ein paar Fakten zur Ernährungssicherheit im Fokus Fleisch. Was können wir verändern, um uns aktiv dem Klimawandel zu stellen?

Handlungsmöglichkeit - Fleischkonsum

Laut des Klimareports macht die Tätigkeit in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft sowie sonstige Landnutzung im Zeitraum von 2007 bis 2016 weltweit ca. 13 % des CO2 aus [2].

Aufgrund der stetig wachsenden Weltbevölkerung, 9,7 Milliarden Menschen werden bis 2050 erwartet [5], muss unsere Nahrungsmittelproduktion schon bis 2030 um 50 – 70 % gesteigert werden [1]. Durch die Verwestlichung der Ernährungsweise in Entwicklungs- und Schwellenländern wird eine Verdopplung der Fleischproduktion bis 2050 prognostiziert. Die Intensivierung der Landwirtschaft wird einen Teil abfangen, doch ein weiterer Ausbau der Agrarflächen um ca. 13 %  wird kaum zu vermeiden sein. Auch eine Konkurrenz zum wachsenden Anbau von Energiepflanzen zur Nahrungsmittelsicherung lässt sich nicht übergehen. Der Anbau der Energiepflanzen, wie beispielsweise Soja, erfolgt meist in Monokulturen. Diese verdrängen unter anderem natürliche Ökosysteme, wie tropische Regenwälder und gefährden gleichzeitig die biologische Vielfalt. Zwischen 1960 und 1990 nahm der Fleischkonsum um 77 % zu. Von allen Fleischsorten haben Schaf- und Rindfleisch die stärksten Auswirkungen auf das Klima [1,7].

Warum ist das so?

Der größte Teil der Treibhausgase in der Landwirtschaft wird als Methan abgegeben. Methan wird im Magen und Darm der Wiederkäuer (Ziegen, Schafe, Rinder…) gebildet und ausgeschieden. Es trägt ca. 60 % und damit den größten Beitrag an den globalen Methanemissionen bei. Daher ist die weltweite Nachfrage nach Fleisch ein Klimakiller. Zusätzlich ist die Viehwirtschaft einer der größten Nutzer von Landflächen, wobei eine Umverteilung von Weiden- zu Ackerflächen stattfindet. Einen weiteren Teil der Treibhausgase in der Landwirtschaft macht Lachgas aus. Lachgas oder genauer gesagt Ammoniak. Dieses wird aus organischen Düngern frei oder in überdüngten Bögen gebildet. Zusätzlich werden für den Futtermittelanbau der Tiere riesige Flächen benötigt. Zur Produktion eines Kilo Rindfleisches müssen im Durchschnitt 25 kg Futter aufgewendet werden [6]. Wofür unter anderem auch Regenwald gerodet wird. Passiert dies, gehen riesige Kohlenstoffsenken verloren.

Der Klimabericht 2019 ruft zur Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auf und fordert politische Umsetzungsmaßnahmen zur Regelung des Fleischkonsums.

Doch gibt es eine ökologische Alternative?

Für Manche mag es noch etwas ungewöhnlich oder befremdlich wirken, doch es zeigt sich ein berechtigter Trend des „Insektenessens“. Insekten sind eine innovative Lösung. Für ein Kilogramm Grillen werden nur 2 kg, hingegen für ein Kilogramm Rindfleisch 25 kg Futter benötigt [6]. Dies sind im Vergleich ca. 8 % der aufgebrachten Energie. Grillen müssen im Gegensatz zum Vieh die aufgenommene Energie nicht zur Erhaltung der Körperwärme verwenden, sondern können diese direkt in die Produktion der eigenen Masse stecken. Zusätzlich benötigen die Kleintiere viel weniger Platz und Wasser. Auch der Ausstoß von CO2 und Ammoniak fällt in der Insektenproduktion deutlich geringer aus, was Vorteile für Umwelt und Klima bringt. Im Vergleich zu Rindfleisch verursachen Grillen weniger als 1 % der Treibhausgase [3,4].
Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen ein Lebensmittel natürlich eine individuelle Kopfsache. Dennoch zeigt sich am Beispiel Sushi, dass sich Ernährungsgewohnheiten schnell ändern können. Besonders weil die heutige Generation wesentlich aufgeschlossener ist und Nachhaltigkeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebensstils geworden ist.

Quellen:

[1] Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO). Edible insects: Future prospects for food. FAO Forestry Paper: 171, 2013.

[2] Intergovernmental panel on climate change (IPCC). Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL). Hauptaussagen des IPCC Sonderberichts über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen, 2019.

[3] Oonincx D.G.A.B., van Itterbeeck J., Heetkamp M.J.W., van den Brand H., van Loon J.J.A., van Huis, A. An exploration on greenhouse gas and ammonia production by insect species suitable for animal or human consumption. PLOS ONE 5(12): e14445, 2010.

[4] Thrane, M., Paulsen, P.V., Orcutt, M.W., Krieger, T.M. Chapter 2 - Soy protein: Impacts, production, and applications. In Sustainable Protein Sources, edited by Nadathur, S. R., Wanasundara, J.P.D. and Scanlin, L. Academic Press, San Diego, Pages 23-45, 2017.

[5] United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division. World Population Prospects: The 2015 Revision, Key Findings and Advance Tables. Working Paper No. ESA/P/WP.241, 2015.

[6] Van Huis, A. Potential of insects as food and feed in assuring food security. Annual Review of Entomology 58: 563-583, 2013.

[7] Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Welt im Wandel: Zukunftsfähige Bioenergie und nachhaltige Landnutzung, 2009.