DETOX - ENTGIFTUNG FÜR EIN GUTES GEWISSEN

Umweltgifte, Alkohol, Stress, falsche Ernährung. Klar, das alles kann den Körper belasten. Was ein Glück, dass es genügend Mittelchen auf dem Markt gibt, die uns hart entgiften sollen. Am besten direkt die 7-Tage-Kur ordern oder eine Super-Food-Bowl bestellen und auf Instagram mit #detox posten. Schon ist man wieder im Gleichgewicht und der Körper von Schlacken gereinigt.

Der ein oder andere hat sicherlich schon Erfahrungen mit einer Detox-Kur gemacht. Aber kann sich ein gesunder Organismus nicht selbst behelfen? Vergiften wir allmählich und können ohne Detox-Kuren und Mittelchen nicht mehr leben? Oder bleibt es beim Mythos vom Entgiften und du schmeißt nur unnötig Geld aus dem Fenster?

Definition: Was bedeutet eigentlich Detox?

Wir starten mit einer Annäherung an den Detox-Begriff: „Detoxification“ oder kurz „Detox“ ist Englisch und bedeutet auf Deutsch so viel wie „Entgiftung“. Ursprünglich kommt das Wort aus dem Drogenentzug, denn dem Süchtigen musste das Gift (die Droge) irgendwie aus dem Körper geholt werden.

In der heutigen Zeit verbindet man mit Detox etwas völlig anderes, denn Detox hat Einzug in die Gesundheits- und Wellnessindustrie genommen. Eine ganz klare Definition was Detox ist, gibt es in diesem Kontext nicht. Dies erklärt auch die vielen verschiedenen Ausprägungen der Detox-Produkte und -Programme. Ein Ziel haben sie allerdings gemeinsam:  Sie sollen selbst einem gesunden Körpern dabei helfen, gefährliche Schadstoffe auszuscheiden und versprechen Gesundheit, Wohlbefinden und Gewichtsreduktion [7,9]. Dabei wird oft die Angst vor „Alltagsgiften“ geweckt, die sich heimlich im Körper anlagern.

In Kombination mit Detox fallen auch immer wieder die Begriffe „Schlacken“ und “entschlacken”. Das Wort Schlacken kommt aus der Metallverarbeitung und bezeichnet Schmelzrückstände nichtmetallischer Art. In Anlehnung an diese Verbrennungsrückstände sind beim Thema Detox Stoffe gemeint, welche sich angeblich im Körper ansammeln und anschließend einlagern. Um es deutlich zu sagen: Rein wissenschaftlich gesehen, gibt es im Körper keine Schlacken!

Entgiftung: Das Problem, das normalerweise keines ist?

Klar, wir nehmen täglich bewusst und unbewusst Giftstoffe auf. Normalerweise geschieht dies in kleinen, oder auch sehr kleinen Dosen. Auch entstehen in unserem  Körper täglich Stoffwechselprodukte, die möglichst schnell unschädlich gemacht werden müssen, um nicht zu schaden.

Hier vorab die gute Nachricht: Prinzipiell ist ein gesunder Körper, mit seinen verschiedenen Organen und Puffersystemen, selbst in der Lage sich verschiedenster Gifte, Schadstoffe und Stoffwechselendprodukte zu entledigen. Die Leber, die Niere, der Darm, die Lungen und die Haut gelten als Entgiftungsorgane. Sie sorgen für die Beseitigung unerwünschter Stoffe, welche anschließend über die Atmung, den Harn, den Kot und Schweiß ausgeleitet werden.  Wenn diese Organe normal funktionieren, entgiftet sich unser Körper erstmal selbst [2,3]. Und das jeden Tag.

Gift: Woher kommst du und was passiert mit dir?

Bei der Metabolisierung lebenswichtiger Makronährstoffe fallen jeden Tag giftige Stoffwechselprodukte an, wie z.B das Ammoniak beim Abbau von Aminosäuren, . Diese Stoffe werden über die Entgiftungsorgane und das Lymphsystem unschädlich gemacht und anschließend ausgeschieden [14].

Auch Alkohol und Medikamente sind letztendlich Gift für unseren Organismus. Diese Stoffe müssen ebenfalls umgewandelt und anschließend ausgeschieden werden.

 

Allerdings gibt es auch Stoffe, bei denen sich der Körper äußerst schwertut, diese wieder loszuwerden. Darunter fallen giftige, langlebige und schwer abbaubare Umweltgifte, so genannte persistente organische Schadstoffe (POPs). Sie sind in Pestiziden enthalten oder sie entstehen bei unvollständiger Verbrennung in der Industrie. POPs gelangen meist über Luft und Wasser in die Nahrungskette und anschließend in unseren Organismus. Einmal mit der Nahrung aufgenommen, können sie sich tatsächlich, in meiste sehr geringen Mengen, im Körper ablagern. Auch einige Schwermetalle wie Blei und Quecksilber, welche über lange Zeit und in bestimmten Mengen in den Körper gelangen, sammeln sich zum Teil an und sind nur schwer wieder loszuwerden. Ihre Halbwertszeiten reichen von 50 Tagen bis 30 Jahre. Blei lagert sich z.B. gerne anstelle von Calcium in den Knochen ab. Aus dem Körper bekommt man Schwermetalle häufig nur mit Hilfe einer Chelat-Therapie. Diese therapeutische Therapieform setzt Chelatbildner ein.  Cehlatbildner gehen teils spezifische Bindungen mit Metallen ein, wodurch diese anschließend vom Körper ausgeschieden werden können. Chelatbildner werden nur innerhalb der Chelat-Therapie bei chronischen oder akuten Vergiftungen unter fachkundiger Aufsicht eines Arztes eingesetzt [5,9,12,13,15].  

Nur wenn Organe, die für die Entgiftung zuständig sind, nicht mehr richtig funktionieren, können spezielle Maschinen die Entgiftung vornehmen. Ein Beispiel hierfür ist die Dialyse bei Nierenerkrankungen [10]. 

Dosis: Sie entscheidet

Der Arzt und Philosoph Paracelsus hat bereits 1538 einen bis heute bekannten und gültigen Satz begründet, der auch beim Thema Detox seine Anwendung findet: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei“ [6]. Etwas moderner kennt man den Spruch als: „Die Menge macht das Gift“. Unser Körper ist demnach sehr gut in der Lage mit Gift umzugehen. Es kommt nur auf die Dosis an. Ein banales Beispiel hierzu: Salz und Wasser gelten allgemein als nicht schädlich und ungiftig. Beim Sport wird sogar Salz in isotonischen Getränken verwendet. Wird jedoch zu viel Salz aufgenommen, kann es im Extremfall zum Tode führen. Das klingt absurd, aber es kommt tatsächlich vor, dass Menschen sich mit Salz vergiften [6,11].

Undurchschaubares Problem: Keine konkrete Lösung

Wer sich dem Thema Detox annähert merkt schnell, wie undurchsichtig dieses Thema ist und wie umfangreich und unklar die verschiedenen Programme und Produkte sind. Man stößt auf eine Vielzahl verschiedener Kuren, Diäten und Supplemente. Dabei reichen Detox-Diäten von Nahrungskarenz und Heilfasten (also eine kontrollierte und reduzierte Nahrungszufuhr) über Saftkuren, Low Carb Diäten, bis hin zu Clean Eating mit oder ohne dem Einsatz von speziellen Gewürzextrakten, Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamine, Mineralien) oder Medikamenten wie z.B. Abführmittel (Diuretika) [2].

Detox bietet keine klare Lösung, denn ein Problem bei Detox liegt an den undefinierten Angaben, welche Gifte oder „Schlacken“ beseitigt werden sollen. Auch der versprochene Nutzen für eine gesunde Person ist fraglich!

 

Eins ist jedoch klar: Die Ausscheidung von Giftstoffen durch ein Detox-Programm, konnte nur in einer Handvoll klinischer Studien aufgezeigt werden, bei welchen allerdings das Studiendesign zu hinterfragen (unter anderem sehr geringe Probanden- oder Fallzahlen). Kurz gesagt: Wissenschaftlich gesehen gibt es keine Beweise, ob Detox-Diäten tatsächlich Gifte ausleiten und einen gesunden Körper noch gesünder machen [4,9].

Aber Detox fühlt sich so gut an: Warum ist das so?

Warum fühlen sich viele Konsumenten nach einem Detox-Programm so unfassbar gut?

Hier ein möglicher Ansatz: Die meisten Detox-Diäten bewirken erstmals, dass ein anderes Verhalten in den Alltag eingebaut wird. Es wird bewusster und meistens ausgewogener gegessen. Bei vielen kommen auch spezielle Bewegungs- und Entspannungsprogramme hinzu. Dadurch werden Kalorien eingespart, Wasser ausgeschieden, Gewicht reduziert, Endorphine ausgeschüttet und dadurch das Wohlbefinden gesteigert [8].

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Fazit: Detox hin oder her, in Wirklichkeit geht es um das Gefühl sich seine Gesundheit selbst zu modulieren und dafür verantwortlich zu sein. Denn generell hat unser Körper kein Problem Schadstoffe/Gifte bis zu gewissen Dosen zu verarbeiten und wieder auszuscheiden.

Ein großes Problem besteht darin, dass Detox-Produkte, trotz großer Absätze, nicht genau definiert sind. Auch die Mittelchen selbst weisen nicht aus, welche Schadstoffe in welcher Form aus dem Körper eliminiert werden sollen.

Trotzdem steigt der Umsatz von sogenannten Detox-Kuren. Viele glauben zu wissen, ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit durch Detox-Produkte zu verbessern. Generell liegt der Erfolg von Detox meist an einer bewussteren Ernährungs- und Lebensweise, die mit der Kur einhergeht.

Letztendlich kann jeder natürlich selbst entscheiden inwieweit die Detox Industrie weiter unterstützt wird. Und eine Frage bleibt sicher: Helfen uns Detox Programme, Mittelchen und Produkte oder schaden sie uns sogar?

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QUELLEN

[1] Adler, G., Beglinger, C., Manns, M.P., Müller-Lissner, S., Schmiegel, W. Klinihsce Gastroenterologie und Stoffwechsel. Springer Verlag, Berlin und Heidelberg. Überarbeitete Auflage, 2014.

[2] Allen, J., Montalto, M., Lovejoy, J., Weber, W. Detoxification in naturopathic medicine: a survey. Journal of Alternative and Complementary Medicine 17(12):1175–1180, 2011.

[3] Anzenbacher, P., Anzenbacherová, E. Cytochromes P450 

[4] Ernst, E., Alternative detox. British Medical Bulletin 101:33-38, 2012.

[5] Freissmuth, M., Offermanns, S. Pharmakologie und Toxikologie: Von den molekularen Grundlagen zur Pharmakotherapie. Springer Verlag, Heidelberg. 2. Auflage, 2016.

[6] Friebe, R. Hormesis. Das Prinzip der Widerstandskraft. Wie Stress und Gift uns Stärker macht. Hanser Verlag, München. 1. Auflage, 2016.

[7] Kapp, B. Diagnostische Mustererkennung für die Gesundung Drogenabhängiger. Waxmann Verlag, Münster. 1. Auflage, 2002.

[8] Kiefer, I., Ekmekcioglu, C. Essen entscheidet: Wie Nahrungsmittel uns beeinflussen. Braumüller Verlag, Wien. 2. Auflage 2012.

[9] Klein, A.V., Kiat, H. Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence. Journal of Human Nutrition and Dietetics 28(6):675-686, 2015.

[10] Klingele, M., Brodmann, D. Einführung in die Nephrologie und Nierenersatzverfahren. Für Pflegende, Medizinstudenten und Assistenzärzte. Springer Verlag, Berlin. 1. Ausgabe, 2007.

[11] Mattson, M.P. Hormesis defined. Aging Research Reviews, 7(1):1-7, 2008.

[12] Papanikolaou, N.C., Hatzidaki, E.G., Belivanis, S., Tzanakakis, G.N., Tsatsakis, A.M. Lead toxicity update. A brief review. Medical Science Monitor 11(10):329-336, 2005.

[13] Sears, M.E., Genuis, S.J. Environmental determinants of chronic disease and medical approaches: recognition, avoidance, supportive therapy, and detoxification. Journal of Environmental and Public Health:356798, 2012.

[14] Silbernagl, S. Taschenatlas Physiologie. Thieme Verlag, Stuttgart. 8 Auflage, 2012.

[15] Tanabe, S., Subramanian, A. Bioindicators of POPs: Monitoring in Developing Countries. Trans Pacific Press, Melbourne. 2006.